Alternativen zum Niedrigzins: Bergfürst

Bergfürst hat sich auf das Crowd-Investing von Immobilien spezialisiert. Bereits mit einem Einsatz von 10,- Euro kann man sich als Anleger an Bauprojekten in verschiedenen Ländern beteiligen und erhält laut Bergfürst dafür Zinsen zwischen 5% und 7,5%. Zudem bietet Bergfürst mit der RelaxImmo Vermögensanlage einen Sparplan an, bei dem man sich mit monatlichen Raten beteiligen kann, ohne selbst weiter aktiv werden zu müssen.

Wie läuft das ab?

Die Bauherren benötigen Kapital zum Neubau, zur Sanierung oder Modernisierung und sammeln dieses als Kredit über Bergfürst von den Investoren ein. Dieses Kapital dient als sogenanntes Mezzanine-Kapital, dass die Eigenkapitalquote erhöht und somit wieder die Bedingungen für Fremdkapital – etwa durch Banken – erhöht.

Unternehmen können Finanzierungsanfragen zwischen 750.000 Euro und 6 Mio Euro (in den FAQs liest man noch 250.000 bis 2,5 Mio. Euro) Euro bei Bergfürst einreichen. Darlehen können bereits nach drei Wochen ausgezahlt werden. Dabei agiert Bergfürst nicht als Vertragspartner, sondern als Vermittler zwischen Kreditnehmer und Investoren.

Um investieren zu können, muss man sich zunächst registrieren. Seit dem 01.01.2020 muss man sich unter bestimmten Bedingungen auch per PostIdent-Verfahren identifizieren. Dies betrifft juristische Personen ab der ersten Einlage, ausländische Steuerzahler ab 1.000,- Euro Einlage und inländische Steuerzahler ab 15.000,- Euro Einlage.

Der Kreditnehmer stellt ein ausführliches Exposé auf der Seite zur Verfügung, dazu gehört auch ein kurzes Video in der der Emittent sich und sein Bauvorhaben vorstellt. Über den Reiter “Fragen und Antworten” können Investoren direkt Fragen an den Kreditnehmer stellen. Über “Neuigkeiten” kann der Kreditnehmer über den Fortschritt des Projekts berichten.

Unter “Meine Investitionen” hat der Anleger stets den Überblick über seine Beteiligungen, die bereits ausgezahlten und die noch zu erwartenden Zinsen. Der jeweils aktuelle Zinsstand seit der letzten Auszahlung wird leider zur Zeit nicht mehr angezeigt.

Zinsauszahlungen erfolgen halbjährlich und werden für jedes Projekt einzeln an die Investoren ausbezahlt. Dies bedeutet, dass die Zinsen nicht als Gesamtsumme, sondern in so vielen Einzelbeträgen eintreffen, wie man in Projekten investiert ist.

Wie hoch ist die Rendite?

Wie bereits erwähnt bietet Bergfürst Projekte mit 5% – 7,5% Verzinsung an. In meinem eigenen Portfolio habe ich Zinssätze zwischen 5,5% und 7,5%, im Mittel ergibt sich zur Zeit ein Zinssatz von 6,51%.

Die Registierung und Nutzung des Portals ist kostenlos. Von Kreditnehmern, sogenannte Emittenten, zieht Bergfürst 10% plus Steuern der Kreditsumme ein. Von den Zinszahlungen an die Investoren werden lediglich die Kapitalertragssteuer und der Solidaritätsbeitrag vorab abgezogen, was bedeutet, dass der Investor dies nicht selbst übernehmen und auch nicht weitere Abzüge durch den Fiskus mit einrechnen muss. Eine Ausnahme sind ausländische Projekte, bei denen vorab keine Steuer einbehalten wird.

Auch hier sollte man nicht sein ganzes Erspartes gleich in ein Projekt stecken, sondern kleinere Beiträge auf mehrer Projekte verteilen, auch wenn dies bei Zinszahlungen zu diversen kleinen Buchungssummen auf dem Kontoauszug führt. Da man bereits mit 10,- Euro einsteigen kann, ist das Angebot noch für jedermann erschwinglich und bei Sparzinsen von mittlerweise 0,001% erhält man hier doch erheblich mehr.

Chancen und Risiken in der Realität

Wer sich bei Bergfürst registriert kann gleich einen Coupon-Code in Höhe von 10,- Euro einsetzen. So kann man also ohne jegliches Risiko diese Art der Investition testen.

Ansonsten wachsen Bauprojekte nicht an den Bäumen und es kann sein, dass die Angebote nur spärlich kommen. Dann muss man in der Regel sehr schnell sein, denn selbst Millionen-Projekte sind meist schon nach wenigen Stunden abgeschlossen. Bergfürst kündigt neue Projekte vorab auf der Internetseite an und sendet am Tag des Starts eine Email. Diese kommt früh morgens an und kann so lange wahrgenommen werden, bis das Soll erfüllt ist. Das ist meist nach wenigen Stunden der Fall.

Die Zinsen kamen bis Mitte 2019 allesamt pünktlich an. Erst Anfang 2020 gab es erstmals Verzögerungen. Dabei erklärte ein Emmitent die Situation und kündigte konkret an, wann die weiteren Zahlungen zu erwarten seien. Drei andere Projekte blieben kommentarlos und es war schon etwas mulmig, da hinter allen Dreien derselbe Bauherr steckte. Mittlerweile wurden aber wiederum alle Zinsen ausgezahlt. Zudem handelt es sich bei Bergfürst nicht um qualifizierte Nachrangdarlehen, sondern um besicherte Bankdarlehen. Damit steht im Insolvenzfall der Anleger nicht an letzter Stelle, sondern an zweiter, nämlich direkt nach der Bank, wie Bergfürst auf der Website erklärt.

Zwei Bauprojekte wurden vorzeitig abgeschlossen, so dass Zinsen und Rückzahlung bereits vorab ausgezahlt wurden. Verluste gab es seit meiner Erstinvestition Mitte 2018 keine.


Ein weiteres Angebot von Bergfürst ist der Handelsplatz. Hier können Beteiligungen ver- und gekauft werden. Dafür nimmt Bergfürst von beiden aber 10,- Euro Gebühr. Dabei werden die Anteile selten zum Kaufpreis oder darunter angeboten, weshalb dieses Angebot für mich keinen Sinn macht. Bestenfalls ist es ein Auffangnetz für diejenigen, die Geld investiert haben, dass sie doch dringend brauchen. Und davon rate ich sowieso ab.

Des Weiteren bietet Bergfürst mit dem RelaxSparplan eine vereinfachte Lösung zur Beteiligung an. In diesem Fall werden kleine Beträge in vom Anleger bestimmter Höhe monatlich abgebucht und investiert. Alternativ kann man mit der RelaxAnlage einmalig einen Betrag einzahlen. Die Rendite dabei beträgt etwa 5,3%, der Anleger muss dabei bereit sein, die Anlage länger zu halten, im Moment für eine Laufzeit von mindesten 6,5 Jahren.

Gesamteindruck

Laut gründerszene.de starteten Guido Sandler und Dennis Bemann 2011 als Crowdinvesting-Plattform. Später kam ein Immobilien-Marktplatz hinzu und 2015 versuchte sich das Unternehmen kurze Zeit als Bank. Stattdessen beteiligte sich im April 2019 die Commerz Real mit 24,9% an dem Unternehmen, das nun auf Immobilien spezialisiert ist.

Mit Bergfürst selbst hat man in der Regel nicht viel zu tun. Will man in ein Projekt investieren, bestätigt man auf der Seite nochmals den Betrag und erhält anschließend eine Email mit Bankdaten, an die man den Betrag überweist. Man erhält dann nochmals Emails, wenn der Betrag eingegangen ist und wenn das Pprojekt handelbar ist oder Zinsen auszahlt.

Als am Jahresanfang einige Projekte im Verzug waren, kam von Bergfürst keinerlei Nachricht. Ob dies bei längerem Ausbleiben der Fall gewesen wäre, bleibt dahingestellt.

Die Informationen, die die Kreditnehmer zur Verfügung stellen sind zunächst umfangreich. Die Rubrik “Neuigkeiten” wird dagegen eher wenig genutzt.

Positiv:

10,- Euro Bonus zum kostenlosen Ausprobieren
Einfache Beteiligung mit kleinen Beiträgen möglich
Steuerabzug automatisch

Negativ:

Relativ wenige Projekte in langen Zeitabständen
Nur kurze Entscheidungszeit, da nach wenigen Stunden bereits abgeschlossen
Zinsübersicht im Account verbesserungswürdig

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