Alternativen zum Niedrigzins: Companisto

Companisto sammelt über das Crowdinvesting Gelder für Start-Ups oder auch Kredite für bestehende Unternehmen ein. Investoren können sich auch aus dem Ausland beteiligen. Die Mindesteinlage beträgt 100,- Euro. Gewinne erzielt man über die 1%-ige jährliche Verzinsung, einer Gewinnbeteiligung und auch bei einem sogenannten Exit, also dem Verkauf des Start-Ups. Bei den Krediten, den sogenannten Venture Loans, erhält man üblicherweise 8% per annum, also weitaus mehr als bei Spareinlagen, Tagesgeld und Festgeld.

Wie läuft das ab?

Die Unternehmer können sich direkt bei Companisto bewerben. Dies können Start-Ups im frühen Stadium sein, alle Branchen sind willkommen und auch Start-Ups aus dem europäischen Ausland können sich bewerben. Laut Companisto wird ein Finanzierungsantrag innerhalb von drei Tagen beantwortet. Das Start-Up hat nun zwei Wochen Zeit, die geforderten Informationen vorzulegen, die wiederum binnen zwei Wochen geprüft werden. Kommt es zum Vertrag, hat das Start-Up vier Wochen Zeit, die Kampagne vorzubereiten und es folgt eine vierwöchige Finanzierungsrunde über die Plattform Companisto.

Companisto betont, dass nur knapp 1% aller Bewerber erfolgreich in die Finanzierung kommt und daher bereits eine hohe qualitative Auswahl gesichert sei. Für den Investor werden ausführliche Informationen zur Verfügung gestellt mit Planungszielen und Chancen/Risiken-Einschätzungen, Strategien und eventuell alternativen Zielen je nach Höhe der Summe, die letzten Endes geboten wird. Wird die Mindesthöhe – meist 100.000,- Euro – nicht im vorgegebenen Zeitrahmen erreicht, ist das Investment gescheitert und eingezahlte Beträge werden wieder an die Investoren ausgezahlt. Wird das Ziel erreicht, kann die Kampagne länger laufen, bis auch ein Höchstziel erreicht ist.

Hat der Investor einen Betrag geboten, so erhält er eine Bestätigung und wird um Überweisung des Betrags gebeten. Nach Zahlung erhält er eine Beteiligungsurkunde in digitaler Form.

Wie hoch ist die Rendite?

Die einzelne Beteiligung richtet sich nach dem vom Start-Up angebotenen Gesamtanteil. Beteiligungen an Start-Ups laufen sieben bis acht Jahre. In dieser Zeit liegt das Geld fest. Bei Venture Loans beträgt die Laufzeit drei bis vier Jahre. Bei letzteren erhält man halbjährlich die Zinsen ausgezahlt, üblicherweise 8% pro Jahr. Bei den anderen Beteiligungen kann es zu Auszahlungen kommen, wenn das Unternehmen Gewinne macht, an denen die Investoren beteiligt werden, oder wenn das Unternehmen aufgekauft wird. Ansonsten wird die Investitionssumme mit 1% pro Jahr verzinst und bei Ablauf der Gesamtzeit kann der Investor oder das Start-Up den Vertrag beenden und es wird die Investitionssumme plus 1% pro Jahr plus Wertzuwachs des Unternehmens ausbezahlt.

Bei einem jungen Start-Up, das sich sehr gut entwickelt, können hier also schon beträchtliche Gewinne zusammen kommen. Companisto erhält vom Start-Up 10% der Investitionssumme und vom Investor 10% des Gewinns, wenn dieser zur Auszahlung ansteht. Auch bei Companisto muss man sich zudem selbst um die Abrechnung mit dem Finanzamt kümmern.

Eine konkrete Berechnung im Vorhinein ist nicht möglich, da nicht absehbar ist, wie sich die Start-Ups im Laufe der sieben bis acht Jahre entwickeln. Einfacher ist es bei den Venture Loans, da man hier für seine 8% die übliche Kapitalertragssteuer von 25% und den Solidaritätsbeitrag von 5,5 % der Kapitalerstragssteuer an den Fiskus zahlt.

Wie bei anderen Risikoanlagen, empfiehlt es sich, nicht alles auf eine Karte zu setzen, sondern lieber kleinere Beträge in verschiedene Projekte zu stecken, um einen Totalverlust zu vermeiden.

Chancen und Risiken in der Realität

Als ich 2016 erstmals in Companisto investierte, lag der Mindestbetrag noch bei 5,- Euro je Anteil. Dadurch konnte man auch rein interessehalber mal in ein Projekt investieren, um einfach zu sehen, wie es sich entwickelt.

Da in der Anfangsphase noch viel Geld in Entwicklung, Werbung und Ausbau gesteckt wird, sind bisher keine Gewinne ausgeschüttet worden. Eines der Start-Ups ist in ziemlicher Bedrängnis und ein weiteres muss seine Ausgaben besser planen. Bei den anderen waren meist die Planungen weitaus ehrgeiziger als die erreichten Ziele. Denoch ist mein Portfolio bereits im ersten Jahr durch ein erfolgreiches Unternehmen im Wert gestiegen und weist ein Plus von 43,81% aus.

Eines der Venture Loan-Projekte sollte in ein Beteiligungsprojekt umgewandelt werden. Dazu sollten die Investoren etwas mehr einzahlen, aber dennoch von den Zinsgewinnen aus dem Venture Loan profitieren, indem diese der Investitionssumme zugerechnet wurden. Dies wurde per Abstimmung abgesprochen, es blieb aber ansonsten dem einzelnen Investor überlassen, ob er den Kredit weiterlaufen oder diesen in eine Beteiligung umwandeln wollte.

Ein zweites Unternehmen fand mittlerweile einen Investor, der ohne Beteiligung der Companisten in das Unternehmen investieren wollte. Auch hier gab es eine Abstimmung und die meisten Investoren sprachen sich für eine Auszahlung aus, um dem Start-Up die Chance zu ermöglichen, zumal eine Gewinnbeteiligung für die nächsten zwei Jahre in Aussicht gestellt wurde.

Insgesamt muss man bei Companisto einige Geduld mitbringen, da sich die Unternehmen erst noch entwickeln müssen. Das Informationsmaterial ist umfangreich. Die Firmen geben regelmäßig Updates bekannt, vierteljährlich wird ein Quartalsbericht vorgelegt und jährlich eine Jahresbilanz. Zudem bietet Companisto selbst Informationen rund um das Thema Investments an. Interessant sind aber auch die Produkte an sich, denn meist handelt es sich um neuartige Produkte oder Dienstleistungen, die es so noch gar nicht gibt.

Gesamteindruck

Companisto wurde bereits im Jahr 2012 von David Rhotert und Tamo Zwinge in Berlin gegründet. Die Webseite war zunächst hinter einem häßlichen Grünschleier versteckt, hat sich aber mittlerweile zu einem recht ansehnlichen und übersichtlichen Portal entwickelt. Lediglich das lästige Video, das bei jedem Seitenaufruf ungefragt startet, ist noch in diesem Grün gehalten. Gemäß der eigenen Auskünfte und der englischen Wikipedia hat Companisto einen traumhaften Aufstieg durchlebt. Im Jahr 2014 wurden demnach nicht nur die 5 Millionen Euro an Investitionen erreicht, sondern kurz danach wurde mit dem Projekt Weissenhaus die erste Immobilie über ein Crowdinvesting mit der Rekordsumme von 1,2 Millionen Euro finanziert und Companisto wurde im gleichen Jahr zum größten Crowdinvestor Europas. Seit 2014 stagnieren allerdings die Wachstumszahlen. Aktuell wirbt Companisto mit über 51 Millionen Euro an Investitionen in 103 Finanzierungsrunden. Real befindet sich die Investitionssumme damit seit dem Höhepunkt in 2014 in einer Seitwärtsbewegung. Gemäß gruenderscene.de  hat Companisto selbst folgende Zahlen zur Verfügung gestellt (Stand 05.12.2017):

  • 2014: 10,2 Mio. Euro
  • 2015: 11,4 Mio Euro
  • 2016: 10,5 Mio Euro
  • 2017:  10,1 Mio. Euro

Eine andere Merkwürdigkeit ist das Gütesiegel “Aktivster privater Wagniskapitalgeber” auf der Seite. Bereits 2017 hatte der Blogger Daniel Brückner auf toptestsieger.de sich gefragt, wer diese “Medaille” verliehen hat, bekam aber keine Antwort von Companisto. Wenn man mit der Maus über die Medaille geht erscheint nun der Text “Quelle: Eigene Recherchen”. Auf so ein Gütezeichen sollte man lieber verzichten, zumal die Superlative nur Gleichstand oder gar einen Abstieg nach sich ziehen kann.

Das Risiko der Investitionen bei Companisto ist nach so kurzer Zeit noch nicht einschätzbar. Die Venture Loans sind gut abgesichert, da nur Unternehmen mit mindestens 500.000,- Euro Jahresumsatz berücksichtigt werden. Ansonsten ist Geduld gefragt.

Insgesamt fühle ich mich bei Companisto subjektiv recht wohl. Die Zinsauszahlungen für die Venture Loans kamen bislang pünktlich und in voller Höhe. Das Portfolio hat über 40% an Wert zugelegt. Große Verluste sind zur Zeit nicht zu fürchten, dagegen stehen gute Gewinnaussichten.

Positiv:
ausführliche Informationen
aktueller Stand des Portfolios im Investorenbereich
direkte Kommunikation mit Start-Ups über Plattform möglich

Negativ:
sehr lange Anlagezeit
daher Risiko schwer einschätzbar
Unternehmensbewertung fraglich

Alternativen zum Niedrigzins: Funding Circle

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