Alternativen zum Niedrigzins: Funding Circle

Funding CircleFunding Circle vermittelt Kredite an kleine und mittlere Unternehmen. Jeder, der volljährig ist und einen Wohnsitz in Deutschland hat, kann sich als Kreditgeber beteiligen. Dies geht bereits ab 100,- Euro und ist nach oben hin auf 5000,- Euro begrenzt. Die Zinsen dafür sind weitaus lukrativer, als man derzeit bei Banken erwarten kann. Aber da man das Ausfallrisiko alleine trägt, stellt sich die Frage, wie hoch dieses Risiko ist.

Die Unternehmen werden in 6 Bonitätsklassen eingeteilt von A+ bis E. Diese Bewertung erfolgt durch Funding Circle und betont, dass die Richtlinien sehr streng und seriös seien. Kritiker meinen allerdings, dass Funding Circle als reiner Vermittler so oder so Geld verdient und eher an Masse statt an Klasse interessiert sei.

Wie läuft das ab?

Ein Unternehmen beantragt einen Kredit in einer Höhe von 5.000,- bis 100.000,- Euro. Nach Prüfung veröffentlicht Funding Circle dann die Anfrage und jeder kann eine Summe im genannten Bereich anbieten. Als ich 2016 erstmals mitbot, kam ein Kredit nur dann zu Stande, wenn wirklich der volle Kreditrahmen zusammen kam. War dem nicht so, dann verfiel das Gebot und man zahlte nichts. Dasselbe galt, wenn Funding Circle und das Unternehmen sich nicht auf einen gemeinsamen Vertrag einigen konnten oder das Unternehmen einen Rückzieher machte. So wurden von den ersten neun Kreditanfragen damals nur zwei verwirklicht. Bieten konnte man damals 21 Tage lang, dies wurde gegebenenfalls um die selbe Zeit noch mal verlängert.
Heute kann man nur noch 7 Tage lang bieten. Dann füllt ein nicht näher benannter Profi-Investor die Restsumme auf, so dass der Vertrag eigentlich immer zu Stande kommen kann.

Ist dies der Fall, dann zieht Funding Circle die gebotene Summe von den Konten der Bieter ein und nach Auszahlung an den Kreditnehmer beginnen die Zinsen sofort zu laufen. Mitte des Monats zieht Funding Circle die Tilgung samt Zinsen vom Konto des Kreditnehmers ein und überweist die anteilige Summe ab dem 25. des Monats an die Kreditgeber.

Wie hoch ist die Rendite?

Laut Internetseite können Unternehmen bereits Kredite ab einer Verzinsung von 3,79% bekommen. Tatsächlich hängt die Verzinsung in erster Linie von der Einstufung durch Funding Circle ab. Die Firmen in meinem Portfolio zahlen zwischen 5,89% und 16,61%. Traumzinsen, wenn man sieht, was man mit herkömmlichen Sparanlagen noch bekommt. Allerdings ist das nicht wirklich das, was man dabei verdient. Funding Circle selbst zieht 1% ab, so dass erst einmal 4,89% bis 15,61% übrig bleiben. Auch nicht schlecht.

Vater Staat will aber auch seinen Teil haben. Für Kapitalanlagen zahlt man 25% Kapitalertragssteuer und – daran berechnet – noch mal 5,5% Solidaritätsbeitrag. Und das Finanzamt interessiert es auch nicht, dass 1% bereits an Funding Circle gezahlt wird, sondern nur der Bruttogewinn. Bei einem Einsatz von 100,- Euro hätte man also 5,89 Euro bis 16,61 Euro Bruttogewinn, aber das Finanzamt kassiert 1,47 Steuer und 7 Cent Soli im ersten Fall, 4,15 Euro Steuern und 23 Cent im zweiten Fall. Abzüglich des einen Euro für Funding Circle schrumpft der Gewinn also auf 3,35 Euro, beziehungsweise 11,23 Euro. Immer noch weitaus mehr, als auf dem Sparbuch. Die Steuern muss man allerdings selbst beim Finanzamt anmelden. Einen Freibetrag kann man ebenfalls nicht bei Funding Circle anrechnen lassen.

Funding Circle empfiehlt selbst, dass man besser kleinere Summen in mehrere Unternehmen steckt, um das Ausfallrisiko zu mildern. Außerdem wird empfohlen, den Gewinn immer wieder zu reinvestieren. Bei zehn Beteiligungen mit einer Tilgung und Zinszahlung von 10% könnte man quasi jeden Monat wieder 100 Euro reinvestieren und nach 10 Monaten bereits 200 Euro und so weiter. Oder, um es etwas realistischer zu berechnen: Bei dem durchschnittlichen Rückfluss von 5,9 %, den ich bei der letzten Rückzahlung hatte, hätte man nach einem Jahr 1800,- Euro investiert und nach zwei Jahren bereits 3600,- Euro, obwohl der tatsächliche Einsatz weiterhin bei 1000,- Euro liegt. Theoretisch.

Chancen und Risiken in der Realität

Nach knapp zwei Jahren haben drei Firmen bereits den Kredit vorzeitig zurückgezahlt. Der Bruttogewinn lag zwischen 4,39% und 6,74%. Durchaus ein gutes Ergebnis. Schlimmer sind die mittlerweile fünf Firmen, die mit ihren Zahlungen im Verzug sind oder sogar bereits die Insolvenz angemeldet haben. Letzteres ist mittlerweile bei zwei Firmen der Fall. Ein weiteres Unternehmen ist quasi vom Erdboden verschwunden und die Post kommt laut Funding Circle als unzustellbar zurück. Dabei spielt dann auch die Kategorisierung nicht mehr unbedingt eine Rolle. Zwei Zuspätzahler sind zwar als E eingestuft, eines der insolventen Unternehmen und das verschwundene als D, aber das zweite insolvente Unternehmen ist sogar als A kategorisiert. Die Tilgung dieser Unternehmen lag bei 18,92% bis 30,82%. Rechnet man die Zinsen mit, liegt der Verlust bei zwei Dritteln bis drei Vierteln der Investition.

Mit den oben genannten 10 x 100,- Euro sähe es bei dieser Konstellation gar nicht mehr gut aus, wenn dies gleich am Anfang passiert. Wer sich dagegen absichern will, muss also schon mehr investieren und breiter streuen.

Bei der Auswahl ist man eher dem Zufall überlassen, denn die Informationen zu den Kreditnehmern sind sehr spärlich: Eine kurze Beschreibung der Firma und was mit dem Kredit gemacht werden soll, ein paar Zahlen der letzten Jahre in einer einfachen Tabelle und die Einstufung der Kreditwürdigkeit. Zu den Ausfällen erhält man seit einiger Zeit regelmäßig einen Zwischenstand, aus dem man erfährt, ob noch Hoffung besteht oder eher nicht.

Gesamteindruck

Was die Seriosität von Funding Circle betrifft, so wirkt einiges noch sehr dilettantisch. Die zuvor schlichte Webseite sieht nach Überarbeitung eher etwas nach einem Werbeprospekt aus. Es gibt widersprüchliche Informationen, wie etwa die, dass unter Fragen für Anleger behauptet wird, ein Kreditnehmer müsse die letzten beiden Jahre mindestens 50.000 Euro “erwirtschaftet” haben, während es bei den Fragen für Unternehmen heißt, es müssten in den letzten beiden Jahren mindestens 30.000,- Euro Umsatz erziehlt worden sein. Auch die Angabe, dass die Namen der Unternehmen öffentlich einsehbar sind, war in den letzten beiden Jahren nicht immer so. Ich selbst hatte mal für zwei namenlose Unternehmen geboten und später das Gebot wieder zurückgezogen, weil selbst in den Unterlagen, die mir dann per Email zugingen, kein Name genannt war. Ein grober Schnitzer war, dass im Portfolio die Auszahlungen als überfällig dargestellt wurden, obwohl die Zahlung längst da war. Auf Rückfrage erklärte man mir, dies sei so, weil die Seite erst aktualisiert würde, wenn alle Zahlungen bei den Empfängern angekommen sind. Was die Zahlungsmodalitäten über Wirecard selbst betrifft, bin ich bislang zufrieden.

Insgesamt ist die Anlage bei Funding Circle sehr risikoreich. Wenn alles funktioniert, ist es eine einfache Art, schnell sein Geld arbeiten zu lassen. Eine wirkliche Gewinnberechnung ist aber erst möglich, wenn der letzte Cent zurückgezahlt ist.

Eine weitere Möglichkeit, mit Funding Circle Geld zu machen ist die, dass du über den Link in diesem Logo ein Konto eröffnest:
Funding Circle

Wenn du dann auch noch im ersten Monat dem 10 x 100,-Beispiel folgst, erhältst du 50,- Euro. Wenn du gar in der Zeit einen Kredit anforderst gibt es 100,- Euro. Und ich hätte natürlich genau so viel davon.

Positiv:
unkompliziert
schneller Beginn der Rückzahlung
hohe Zinsen

Negativ:
sehr hohes Ausfallrisiko
spärliche Informationen
keinerlei Sicherheit

Alternativen zum Niedrigzins: Companisto

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